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Kafka wurde genauso schon damals von seinem Vater nicht verstanden, und
dadurch verachtet, verspottet, gehaßt.
Der 29 jährige Kafka notierte, daß er beim Vorlesen seiner
Erzählung "Das Urteil" am Schluß den Tränen nahe war. Er hatte,
in seiner Kindheit mit allem was ihm beschäftigte, alleine gelassen, einen
großen Drang zu reden.
Die Mutter Kafkas wird sehr still und gütig dargestellt.(in der
Literatur) Sie hatte selber im Alter von drei Jahren ihre Mutter und auch ihre
Großmutter verloren. Sie blieb ihr ganzes Leben ein stilles gefügiges
Kind ihres Vaters und später ihres Mannes.
Kafkas Werke zeigen uns, wie ein Kind seiner Erlebnisintensität der
Gefühle ausgesetzt ist, wenn niemand ihm beistehen kann. Kafka war in
seiner Kindheit dem machtfreudigen Hauspersonal völlig ausgeliefert.
Demütigungen von "oben" wurden an ihm weitergegeben. Es entwickelte sich in
ihm eine Sehnsucht (Hunger->Hungerkünstler) nach zuhörenden
Menschen. Diesen Respekt kann man einem Kind nur dann zuteil werden lassen, wenn
man sich selber als Person ernst nimmt. Dazu war nun seine Mutter unfähig.
Das zeigt sich auch in einem Brief an Felice worin er betont wieviele Menschen
gekommen sind ihn zuzuhören. Seine Mutter hörte ihm nicht zu - jetzt
hören ihm aber viele zu. Allerdings hat er Angst davor nicht verstanden zu
werden. (zeigt sich in seinen Vorlesungen und in einem Traum, wo er träumt
nicht eigene, sondern Flauberts Werke vorzutragen) Ein Kind schämt sich,
wenn es vergeblich um Verständnis geworben hat. In den Briefen an den Vater
zeigt sich wie ein sensibles Kind Situationen erleben kann, die für uns
zwar normal sind, aber das Kind nicht weiß wie ihm geschieht: z.B. ein
Jux, ein Spiel, eine Drohung an deren Ausführung man ja gar nicht denkt.
Das Kind kann es jedoch nicht wissen, es wartet vielleicht täglich auf die
angedrohte Strafe. (harmlose Szenen auf K.s Schulweg: Kindermädchen droht
ihm beim Lehrer schlechtzumachen, als sie dies trotzdem nicht tut
"vertröstet" sie ihn auf den nächsten Tag)
Auswirkungen:
Prozeß K. ist morgens noch im Bett als ihm der Prozeß
anngedroht wird. (Analogie zu Schulkind) Die Beweisführung ist für ihn
undurchsichtig... fühlt sich schuldig und bleibt doch alleine, weiß
nicht wann der Prozeß ist,...
Schloß ähnlich wie oben; Frage: Wann wird er endlich ein legales
Mitglied der Gemeinde. Landvermesser: Wie soll sich ein Kind die Tatsache
erklären, daß dieselbe Mutter die dem Kind Liebe beteuert, den wahren
Bedürfnissen gegenüber ahnungslos bleibt: er kann an sie nicht
herankommen, so wie der Landvermesser nie an das Schloß herankommen kann.
Kafka schildert im Schloß die unendlichen Anstrengungen eines Kindes, mit
Hilfe des Verstehens aus der Einsamkeit herauszukommen und den Fluch der
Isolierung zu durchbrechen; die Bemühungen bei bei den belanglosen,
zufälligen Gesten und Worten der Dorfbewohner Zeichen des Wohlwollens oder
Ablehnung des Schlosses zu erblicken; die Hoffnung endlich einmal einen Sinn in
dieser absurden Welt ausmachen zu können - einen Sinn der einen tragen und
in die Gemeinschaft der Schloßherrenschaft (Eltern!) einbeziehen
kann.
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